Pflege

Menschenwürdige Pflege und Betreuung sicherstellen
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Abhängigkeit vermeiden

Die Sicherstellung einer menschenwürdigen, guten Pflege ist  für uns alle wichtig. Pflegebedürftigkeit ist aber nicht immer ein unabwendbares Schicksal: Prävention, frühzeitige Anpassung des Wohnumfeldes, Abbau von Barrieren im gesellschaftlichen Zusammenleben und Förderung der nachbarschaftlichen Unterstützung, Assistenz und aufsuchende Versorgung sowie die unbürokratische Versorgung mit sinnvollen Hilfsmitteln, können zum Erhalt von Selbstbestimmung und Eigenständigkeit beitragen.

Gute Gesundheitsversorgung und Rehabilitation tragen zu einer möglichst langen Vermeidung von Pflegebedürftigkeit bei. Wenn wir nichts tun, wird die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Rheinland-Pfalz bis 2020 im ambulanten und stationären Bereich um 30% zunehmen. Bis 2050 werden es aller Wahrscheinlichkeit nach sogar 120% im ambulanten und 130% im stationären Bereich sein.

Die grünen Konzepte im Bereich Gesundheit, Inklusion, Leben mit Behinderung und Pflege haben zum Ziel, diesen Anstieg abzumildern und Abhängigkeit von Pflege und insbesondere Abhängigkeit von stationärer Pflege zu vermeiden. Für uns GRÜNE sind Selbstbestimmung, Förderung und Aktivierung der individuellen Ressourcen sowie die Akzeptanz persönlicher, kultureller und religiöser Bedürfnisse zentrale Anliegen einer menschenwürdigen Pflege.

Bevormundung pflegebedürftiger Menschen, Zeitmangel, Pflegefehler oder sogar Gewalt und Misshandlung in der Pflege sind Probleme, denen durch geeignete Steuerungsinstrumente, Qualitätsentwicklung und Beratung sowie Stärkung der Betroffenen entgegengewirkt werden muss.

Die Pflegeversicherung fußt bisher auf einem Pflegebedürftigkeitsbegriff, der nur die grundlegendsten Pflegebereiche Körperpflege und Nahrungsaufnahme tatsächlich abbildet und zu recht oft als „Satt und Sauber“ etikettiert wird. Die letzte Bunderegierung hat es wieder einmal nicht geschafft, hier eine grundlegende Weiterentwicklung auf den Weg zu bringen. Stattdessen wurde der völlig unsinnige  Pflege-Bahr, als Einstieg in eine Rücklagefinanzierung und als Geschenk an die Versicherungswirtschaft, eingeführt. 

Der Pflegebedürftigkeitsbegriff muss endlich entsprechend den Empfehlungen von 2009 reformiert werden, damit auch Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen angemessene Leistungsansprüche erhalten! Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff muss auch die Scheinabgrenzung zwischen Grund- und Behandlungspflege überwunden und eine wissenschaftlich fundierte, zeitunabhängige Pflegbegutachtung eingeführt werden.

Rheinland-Pfalz hat als erstes Bundesland flächendeckend Pflegestützpunkte aufgebaut. Zusätzlich zu den früheren Aktivitäten hat die rot-grüne Landesregierung die Initiative Gesundheit und Pflege 2020 auf den Weg gebracht, in der mit einem Bündel von Maßnahmen die Gesundheits- und Pflegeversorgung verbessert und flächendeckend sichergestellt werden soll.

Menschenwürdige Pflege erfordert auch ein grundsätzliches Umsteuern: Weg von unpersönlichen, großen Pflegeeinrichtungen; hin zu mehr Angeboten für ein Leben zuhause, zu einem grundlegenden inklusiven, sozialräumlich integrierenden Konzept der Pflege.

Die meisten Menschen wollen zuhause alt werden. In vielen Fällen bedeutet das aber auch Abhängigkeit und Vereinsamung. Mehrgenerationenwohnen, Alten- und Demenz-WGs und andere neue Wohnformen können für die vielfältigen Bedürfnisse verschiedene Lösungen bieten. Unser Ziel ist es deshalb, in jeder Gemeinde ein Wohnangebot für Menschen mit Unterstützungsbedarf bereitzuhalten.

Als nächsten Schritt werden wir mit dem Landesgesetz die Erfahrungen über Wohnformen und Teilhabe von 2009 evaluieren und eine Weiterentwicklung auf den Weg bringen. Große Pflegeeinrichtungen müssen überflüssig werden und sich auch zu sozialräumlich integrierten Wohnformen weiterentwickeln! Dies geht nur mit einem ausreichenden alternativen Angebot.

  

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